„In diesem Haus wohnten Lina und Theodor Morgenstern, mit Redaktion und Verlag der Deutschen Hausfrauenzeitung. Die Publizistin Lina Morgenstern hat unzählige Frauenprojekte und Vereine angeregt und mitbegründet, wie Berliner Volksküchen, den Kinderschutzverein, erste Kranken- und Pensionskassen. Mit Minna Cauer organisierte sie 1896 den Internationalen Frauenkongress in Berlin, 1897 wurde sie Vorstandsmitglied der Deutschen Friedensgesellschaft.“ Sibylle Nägele erzählt Geschichten aus der Potsdamer Straße und Umgebung aus der Zeit, als hier ein frühes Zentrum der Frauenbewegung war. Hedwig Dohm, Jenny Hirsch, Lina Morgenstern, Minna Cauer und viele radikale Feministinnen brachten ihre Power und ihr Wissen ein und die Frauenbewegung tatkräftig voran. Hier wurde der erste Internationale Frauenkongress geplant. Zwischen Tiergartenviertel und Kleistpark gründeten sich Frauenclubs, Schulen und Vereine.
Frauen konnten im Viertel Kunst und Musik studieren, es gab Ateliers und Ausstellungen von Künstlerinnen. Helene Lange, Alice Salomon, Maria Leo unterrichteten Mädchen und Frauen und setzten sich für Ausbildung und Absicherung von Lehrerinnen ein. Im Quartier lebten und arbeiteten Schriftstellerinnen, Übersetzerinnen, Publizistinnen, Wissenschaftlerinnen, Ärztinnen. Auch eine frühe Frauenklinik weiblicher Ärzte war in Schöneberg ansässig.
Sibylle Nägele ist Autorin, Dozentin, Redakteurin und Kulturmanagerin. Zusammen mit Joy Markert schrieb sie das Buch „Die Potsdamer Straße. Geschichten, Mythen und Metamorphosen“ und gründete den Literatur-Salon Potsdamer Straße, der die Geschichte der Straße und Umgebung erzählt und interessante Persönlichkeiten vorstellt.
© Foto: Gerhard Haug, Berlin