„Die Trinkerin - zwischen Grandezza und Verfall“

Ausstellung mit Fotografien von Medea van Ginneken

Alkohol. Sucht. Verfall. Begleitete mich seit meinem ersten Tag in Berlin, zerstörte Illusionen, Menschen, Beziehungen, Hoffnungen, Zukunft. Ist das neu? Nein. Ist das in irgendeiner Form grandios? Nein. Aber ich hab’s begleitet, den Niedergang, die schillernde Kunstfigur auf der Bühne in all ihrer Grandezza; und die Süchtige am Rande des Abgrundes, über den Rand des Abgrundes hinaus und hinab in die Tiefe ihrer eigenen dunkelsten Seelenabgründe – und meiner. Die Metamorphose, während derer ich von der hilflosen Freundin zum mordlüsternen Drachen wurde – co-abhängig, emotional abhängig, voller Wut und Verzweiflung in all meiner Hilflosigkeit. Das, was man Liebe nennt, ist manchmal Abhängigkeit. Der Drache hat löchrige Flügel, aber am Ende trugen sie doch; trugen mich aus den Tiefen herauf, zurück in mein eigenes Leben. Für die Süchtige erfand ich ein anderes Ende als die brachiale Realität: In meiner Phantasie flog sie fort, schlüpfte aus dem Ei ihrer selbstgewählten alkoholdurchtränkten Isolation, und fand irgendwann irgendwo ihr Glück – im Leben, im Tod, in einer anderen Welt? Wer weiß das schon. - Medea van Ginneken.

Medea van Ginneken, Fotografin und Autorin, lebt und arbeitet in Berlin. Mehr Info über die Künstlerin findet Ihr unter www.diekunstisteinefrau.de

Die Künstlerin schrieb einmal:

 „Wenn ich die Kamera hebe, dann ist das Magie: Die Visualisierung dessen, was in meinen Protagonistinnen steckt, das Stück Seele, das sie mir geben, wenn sie vor meiner Kamera stehen.“

Die Fotografien von Medea erzählen immer eine Wahrheit, eine Geschichte, die uns von der Intimität eines privaten Erlebnisses bis zu Erfahrungen von universeller Bedeutung führt.

Alle von uns kennen das Feuer der Leidenschaft, die Hoffnung der beginnenden Liebe, die Neuausrichtung und Neufindung in einem Mosaik von noch unbekannten Anteilen in uns. Das Wachstum, wenn wir gezwungen werden, uns den Situationen zu stellen, an die wir noch nicht gewöhnt sind.  Die Wertschätzung der alltäglichen Dinge, die wir dank der Liebe neu entdecken und die Trauer, die parallel zur Freude still im Hintergrund wächst um uns am Ende jeder Beziehung den überraschenden Schlag zu versetzen.

Die Stärke der Fotografien und die Geschichten, die sie erzählen, liegt darin, dass sie mit der menschlichen Erfahrung korrespondieren. Mit unserer Erfahrung.  Die Fotografin zeigt uns offen ihre Verwundbarkeit und die ganze Palette menschlicher Gefühle, die wir selbst sehr gut kennen. Sie lädt uns in einen Raum ein, in dem wir im Angesicht ihrer ehrlichen Offenheit, uns genug sicher fühlen um unsere Verletzlichkeit nicht mehr verstecken zu müssen. Wir spüren ihre und damit auch unsere Freude. Wir fühlen ihren und damit auch unseren Schmerz.

Die Fotografien, die wir in der Begine sehen tragen den Titel: die Trinkerin - zwischen Grandezza und Verfall“ und erzählen eine Geschichte zwischen Wirklichkeit und Hoffnung.

Wie in den anderen Geschichten, die Medea mit ihrer Kamera erzählt, geht es auch hier um eine innerliche Metamorphose, eine alchemistische Verwandlung durch eine Katharsis.

Aus einfachen, unedlen Metallen in einem schmerzhaften, komplizierten Prozess entsteht eine neue Qualität, neue Substanz, das Gold.  Das Neue schlüpft aus einem Ei – in der Alchemie das Symbol für den Anfang von allem.  Das Leiden hat sein Ende und die Geschichte kann weitergesponnen werden. Das Anstrengen, das Leid, die Verzweiflung und der Schmerz, die auf dem Weg zur Befreiung unverzichtbar sind, werden in Hoffnung umgewandelt. Das langsame Sterben wird mit einem schnellen Schwerthieb beendet. Der Lebenskreis wird geschlossen. Die Geburt fängt an. Die Hoffnung und die Freiheit breiten ihre Flügel aus.

Ich lade Euch ein die Fotografien genau zu betrachten, ihre Klarheit, kräftige Farben sowie Schwarzweißtöne. Die vielen Einzelheiten und Nuancen, die auf den gezeigten Gesichtern zu entdecken sind. Die verträumte und fast märchenhafte Atmosphäre, der teilweise realistischen und teilweise surrealistischen Bildern. -
Kasia Flak / Kunsthistorikerin

Die Vernissage der Ausstellung findet am Sonntag, den 14.01.24 um 15 Uhr statt.

Die Austellung ist in der Begine bis Ende Februar von Monatg bis Freitag 17-23 Uhr zu sehen.

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